Markant und unübersehbar beherrschen sie die Landschaft als Monumente der Energiewirtschaft – die Kühltürme der Kraftwerke. Kaum vorstellbar, dass sie trotz ihrer gewaltigen Dimensionen äußerst filigrane Betonbauwerke darstellen, deren Wandstärke lediglich zwischen 20 und etwa 80 Zentimetern liegt. Planung und Erstellung dieser Betonbauten erfordern ein Höchstmaß an Know-how und werden weltweit nur von wenigen Spezialisten beherrscht.
Die MC kann auf eine 40jährige Kompetenz im Kühlturmbau verweisen. Durch umfangreiche Labor- und Baustellenversuche wurden die Systeme im Laufe der Jahre kontinuierlich optimiert und geben immer wieder Impulse für neue Entwicklungen.
Seit den 80er Jahren werden die Kühltürme in Kohlekraftwerken nicht mehr ausschließlich zur Wasserkühlung genutzt, sondern gleichzeitig zum Abtransport gereinigter Rauchgase. Das stellt hohe technologische Anforderungen an die Betonschale eines Kühlturms. Mit dem Bau des höchsten Kühlturms der Welt im ersten „BoA“ („Braunkohlekraftwerke mit optimierter Anlagentechnik“) in Niederaußem begann 2003 ein neues Kapitel im technischen Kühlturmbau. Im Auftrag der RWE-Power entstand ein Kühler der neuen Generation mit bis dahin nicht gekannten Ausmaßen. Seine Höhe beträgt 200 Meter, sein Basisdurchmesser 145 Meter. Bei einem Objekt dieser Größenordnung sind spezielle betontechnologische Lösungen gefragt. Dazu wurde in einem umfangreichen betontechnologischen Entwicklungsverfahren ein säureresistenter Hochleistungsbeton (SRB-Beton) erstellt, der den Säureangriffen standhält. Die MC-Bauchemie war mit ihrer Silica-Technologie maßgeblich in diesen Forschungs- und Entwicklungsprozess eingebunden.
Der erfolgreich abgeschlossene und einwandfreie Betrieb dieses Kraftwerkes veranlasste das Energieunternehmen, im Januar 2006 das Bauvorhaben „BoA 2&3“ in Neurath bei Grevenbroich zu starten. Wie schon im Kraftwerk Niederaußem sollte auch hier beim Bau der beiden Naturzug-Kühltürme der bewährte Hochleistungsbeton zum Einsatz kommen. Diese Kraftwerksbaustelle ist eine der größten in Europa. In Spitzenzeiten sind hier bis zu 4.000 Menschen im Einsatz, um eines der modernsten Kraftwerke zu errichten.
Die Erstellung der beiden Beton-Giganten erfolgte in Zusammenarbeit zwischen der MC und der Alpine Bau Deutschland, dem ausführenden Unternehmen für die Betonarbeiten. Dabei wurde eine Menge von ca. 11.000 Kubikmeter SRB-Beton je Kühlturm verarbeitet. Versorgt wurde die Baustelle von einer eigens zur Herstellung des Betons errichteten Betonmischanlagen auf dem Baustellengelände. Mit der Vor-Ort-Herstellung konnte eine maximale Transportbeton-Qualität und Wirtschaftlichkeit zu jeder Zeit erzielt werden.
Um eine optimale Verarbeitung des Betons sicherstellen zu können, wurde ein speziell auf diese Betonrezeptur abgestimmtes PCE-Hochleistungsfließmittel der MC (Muraplast FK 62.30 W.T.) eingesetzt. Gleichzeitig wurde durch eine Abstimmung der Korngrößenverteilung im Feinstbereich mittels „Centrilit Fume S2“ eine hohe Dichtigkeit gegenüber dem Eindringen von aggressiven Medien erreicht. Centrilit Fume S2 ist eine neue sedimentationsstabile und hochreaktive Silica-Suspension deren Feinheit 50-100 mal höher ist als die der Zementpartikel.
Die Beton-Experten der MC sorgten für eine lückenlose Qualitätssicherung. Bereits vor der Auslieferung wurden die Spezialsuspension und das Fließmittel im Rahmen der DIN ISO 9001 im Bottroper MC-Labor beprobt. Eine weitere umfangreiche Qualitätskontrolle fand im mobilen Labor der auf der Baustelle statt. Die Qualität des beim Bau der Kühltürme verwendeten Betonsystems stellt daher einen entscheidenden Faktor für die Langlebigkeit und damit für die Wirtschaftlichkeit der Anlage dar.
Nach der Fertigstellung erreicht jeder der Zwillingstürme eine Höhe von 172 Meter. Der Durchmesser der unteren Schale beträgt rund 114 Meter, die Schalen-Taille etwa 66 Meter und der obere Schalendurchmesser liegt bei rund 69 Metern. Inzwischen sind die markanten, weithin sichtbaren Kühltürme des Neurather Kraftwerks zu Wahrzeichen dieser Region um Grevenbroich geworden.