Begeisterung für die Bauchemie

05.08.2022

Die MC-Bauchemie hat seit ihrer Gründung im Dezember 1961 eine einzigartige Erfolgsgeschichte geschrieben. Wir sprachen mit Dr. Claus-M. Müller, der zu Beginn des Jahres von der Geschäftsführung in den Beiratsvorsitz gewechselt ist und 50 Jahre die MC geführt hat, und den beiden Geschäftsführern Nicolaus M. Müller und Dr. Ekkehard zur Mühlen über das diamantene Jubiläum und die Entwicklung der MC-Bauchemie von einem kleinen deutschen Unternehmen mit 25 Beschäftigten zu einem weltweit tätigen Unternehmen mit über 2.500 Mitarbeitenden.

Das Jubiläumsinterview mit Dr. Claus-M. Müller und den beiden Geschäftsführern.
Das Jubiläumsinterview mit Dr. Claus-M. Müller und den beiden Geschäftsführern.
© MC-Bauchemie 2022

Was bedeutet das 60-jährige Firmenjubiläum der MC für Sie persönlich?

Dr. Claus-M. Müller: Ich bin etwas verwundert und frage mich, wo die Zeit geblieben ist, ich empfinde aber auch ein wenig Stolz auf das Erreichte. (schmunzelnd)

 

Nicolaus M. Müller: Das kannst Du auch sein. Ich bin dankbar dafür, was Du zusammen mit meinem Großvater und meinem Onkel in den letzten Jahrzehnten aufgebaut hast, und auch froh, wie sich die MC generell entwickelt hat. Das ist auch das Verdienst aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, denen große Anerkennung und Wertschätzung für ihre Leistung gebührt. Sie haben dazu beigetragen, MC zu dem zu machen, was sie heute ist: Ein sehr gesundes und erfolgreiches Unternehmen, das im Markt für seine innovativen Lösungen und uneingeschränkte Verlässlichkeit geschätzt wird und gleichzeitig für viele Menschen einen sehr glücklichen Arbeitsort mit einer tollen Unternehmenskultur darstellt.

 

Dr. Ekkehard zur Mühlen: Und das wollen wir auch in Zukunft sein. Solche Jubiläen sind immer auch symbolische Meilensteine, die daran erinnern, wo man eigentlich herkommt, was man erreicht hat und wo man noch hin will. Für mich heißt es auch, jetzt einen Kassensturz zu machen und den Weg in ein neues, dynamisches und post-pandemisches Jahrzehnt zu beschreiten, in dem wir anspruchsvolle Wachstumsziele verfolgen wollen. Wie in den letzten Jahrzehnten auch, da tut auch ein Rückblick gut.

Was waren die Gründe für die einzigartige Erfolgsgeschichte?

Dr. Ekkehard zur Mühlen: Erfolgsgeschichten gibt es viele, aber auch Misserfolge. Wenn man die MC aber mit anderen erfolgreichen Unternehmen vergleicht, dann fällt auf, dass MC in sehr langen Zeiträumen plant und denkt und sehr viel Wert darauf legt, die richtigen Mitarbeiter zu finden – und die dann idealerweise einfach „machen lässt“.  

 

Nicolaus M. Müller: Aus meiner Sicht war es die Kombination aus Kontinuität und gleichzeitigem Wandel: Wir sind unseren Kernwerten Be Sure. Build Sure. immer treu geblieben und werden dies auch zukünftig tun. Trotzdem haben wir uns den sich ändernden Rahmenbedingungen immer wieder erfolgreich angepasst und Verbesserungen in vielerlei Hinsicht vorausschauend in die Wege geleitet und realisiert.

 

Dr. Claus-M. Müller: Das sind sicher gewichtige Gründe. Dazu kommen unsere Innovationskraft, unser Qualitätsbewusstsein und unsere Kundennähe, allesamt ausgeprägte Stärken der MC, die uns von unseren Mitbewerbern unterscheiden. Genauso wichtig waren und sind neben dem in unserer Firmenkultur fest verankerten Unternehmertum aber auch Eigenschaften wie Beharrlichkeit, Zielstrebigkeit und Ausdauer unserer Führung und Belegschaft in den verschiedenen Entwicklungsphasen unserer Unternehmensgruppe.

Welche waren aus Ihrer Sicht die entscheidenden Schritte bzw. Meilensteine in der Entwicklung der MC?

Dr. Claus-M. Müller: Es gibt nicht den Meilenstein, sondern viele kleine und große Teilerfolge, die sich wie auf einer Perlenkette aneinanderreihen: von der Entwicklung neuer Produkte, die zum Teil den Markt verändert haben, über die Erweiterung unserer Forschung & Entwicklung wie auch unserer Produktionsstätten bis hin zur Expansion und Internationalisierung.

 

Nicolaus M. Müller: Ein sehr wichtiger Meilenstein in den letzten zehn Jahren war die Reorganisation unserer Unternehmensstruktur hin zu einer Dezentralisierung der Verantwortlichkeiten, verbunden mit dem Aufbau eines starken, lokalen Managements in den jeweiligen Länderorganisationen.

 

Dr. Ekkehard zur Mühlen: … die ab 2014 umgesetzt wurde und die Wachstumslokomotive innerhalb der MC mehr als jede andere Maßnahme in Gang setzte. Dazu gehörte natürlich auch den Wandel in den Länderorganisationen eng zu begleiten und vor allem organisatorisch umzusetzen, und den nun neuen Entscheidern die Hebel zum Erfolg in die Hände zu legen.

MC fühlt sich seit je her der Innovation verpflichtet. Welche Innovationen waren außergewöhnlich und marktprägend?

Nicolaus M. Müller: Da gibt es eine ganze Reihe von Beispielen. In den letzten Jahren kann man insbesondere die zementfreien und klimafreundlichen Betone, die mit Know-how und Produkten der MC entwickelt worden sind, aber sicher auch unsere KineticBoost Technology®, auf deren Basis wir Hochleistungsbeschichtungen auf den Markt gebracht haben, die auch bei schwierigen Wetterbedingungen sicher eingesetzt werden können. Da kann mein Vater sicher noch mehr zu sagen …

 

Dr. Claus-M. Müller: Wir fühlen uns nach wie vor der Innovation verpflichtet, denn sie ist der Treiber und ein wesentlicher Faktor für unseren Erfolg. Diese Maxime galt bereits in den 1960er Jahren und gilt auch heute noch. Von unseren naht- und fugenlosen Dachbeschichtungsprodukten auf Basis von Bitumen in den 1960er Jahren über unsere Spezialbetonzusatzmittel sowie die Nachbehandlung mit eingebautem Langzeitschutz in den 1970er Jahren über das Fahrbahn-Entglättungs-System MC-Grip sowie das erste Qualitätssicherungssystem für die Betoninstandsetzung in den 1980er Jahren, das sich zum Standard im Markt entwickelt hat, bis hin zu unseren Betonzusatzmitteln auf PCE-Basis. Hier haben wir bereits in den 1990er Jahren als eines der ersten Bauchemieunternehmen erste Entwicklungsschritte unternommen und diesen Zusatzmitteln zum Durchbruch im Markt verholfen. Aber auch im Bereich der bitumen- und lösemittelfreien Bauwerksabdichtungen sind wir der Trendsetter im Markt gewesen.   

 

Dr. Ekkehard zur Mühlen: Nicht zu vergessen sind zudem unsere Innovationen im Tunnelbau wie zum Beispiel unsere zementfreie Ringspaltmasse, die für das Megaprojekt Stuttgart 21 entwickelt wurde. Eine einzigartige Lösung, die auch in anhydrithaltigem, d.h. quellfähigem, Gebirge eingesetzt werden kann. Damit konnte ein großes Problem bei Stuttgart 21 gelöst werden. Auch unsere umweltfreundlichen Bodenkonditionierungsmittel sorgte nicht nur bei diesem Projekt für einen effizienten Tunnelvortrieb.

Was hat die MC in all den Jahren besonders ausgezeichnet? Was macht die DNA der MC aus?

Nicolaus M. Müller: Seit der ersten Stunde sind wir als verlässlicher Partner für unseren Kunden aufgetreten. Wir verstehen es als Selbstverständlichkeit, dass unsere Unterstützung weit über die Lieferung unserer Produkte hinausgeht. Insbesondere in herausfordernden Zeiten, wie wir sie auch momentan erleben, zeigt sich, dass sowohl unsere Kunden als auch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter diese Verlässlichkeit sehr zu schätzen wissen. Unser Claim Be Sure. Build Sure. bringt das alles sehr gut auf den Punkt.

 

Dr. Claus-M. Müller: „Ein Unternehmen ist nur so gut wie seine Mitarbeiter“ – das Zitat meines Vaters und Firmengründers ist auch heute noch wesentlicher Bestandteil unserer DNA und bringt am besten zum Ausdruck, was MC über die vergangenen 60 Jahren ausgezeichnet hat, nämlich das besondere Engagement unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

 

Nicolaus M. Müller: Und dies wird auch in Zukunft nach wie vor eine Leitlinie der Mitarbeiterführung bei MC sein.

 

Dr. Claus-M. Müller: So ist es, denn nur mit fachlich und sozial kompetenten und engagierten Mitarbeitern sind wir in der Lage, erfolgreich zu sein und innovative Lösungen für unsere Partner zu entwickeln.

 

Dr. Ekkehard zur Mühlen: Zur DNA der MC gehören sicher auch eine Begeisterung für die Bauchemie, die sich nicht überall finden lässt, technische, manchmal eigenwillige Lösungen und eine große Zuverlässigkeit unserer Produkte. Damit ist die MC immer wieder in der Lage, mit deutlich größeren Unternehmen Schritt zu halten und Projekte für sich zu gewinnen, sowie mit individuellen technischen, bisweilen einzigartigen, Lösungen zu überzeugen.

An dieser Stelle hätte ich eine persönliche Frage: Was war Ihr schönster Moment bei MC?

Dr. Claus-M. Müller: Den schönsten Moment gibt es nicht, aber zum Glück durfte ich viele schöne Momente erleben, die einzeln aufzuführen würde den Rahmen sprengen. Bei jedem einzelnen erreichten Ziel stellt sich Zufriedenheit und Freude ein.

 

Dr. Ekkehard zur Mühlen: Für mich war es sehr schön zu sehen, wie erfolgreich sich das Management in Osteuropa bis Fernost – Regionen, die in meinem persönlichen Verantwortungsbereich stehen – entwickelt hat. Das Management hat sich in diesen Ländern immer weiter verselbstständigt und es konnten sich Personen und Persönlichkeiten im und durch das Arbeitsumfeld der MC entwickeln und auch weiter entwickeln. Da wachsen wirklich überall nun kampfstarke und selbstbewusste Marktspieler heran!

 

Nicolaus M. Müller: Eine besondere Erfahrung war für mich meine sechsjährige Auslandstätigkeit in Brasilien. Mir hat es sehr viel Freude bereitet, eine Vertriebsabteilung samt Produktportfolio von 0 an aufzubauen. Eine bessere Schule hätte es für mich bei MC nicht geben können: Gemeinsam mit meinem Team musste ich die die tagtäglichen Herausforderungen im operativen Geschäft meistern und konnte direkt Einfluss nehmen, Entscheidungen treffen und gemeinsam Erfolge erzielen, aber auch Unwägbarkeiten überwinden und auch mit Misserfolgen umgehen lernen. Eine sehr schöne Erfahrung war auch, die Menschen und die Kultur in Brasilien kennenzulernen sowie die Sprache zu erlernen. Die Offenheit für Neues der brasilianischen Kultur hat mich fasziniert und geprägt. Daher habe diese Eigenschaft auch mit nach Deutschland genommen.

Welche großen Herausforderungen mussten Sie in den zurückliegenden Jahren meistern? Welche stehen momentan im Fokus?

Dr. Claus-M. Müller: Wir leben in sehr ungewöhnlichen Zeiten wie ich sie noch nicht erlebt habe. Seit März 2020 steht unser wirtschaftliches sowie unser gesellschaftliches und politisches Leben ganz im Zeichen der Coronavirus-Pandemie. Sie hat zu massiven Beschränkungen unseres Lebens geführt; wir als MC können uns dennoch glücklich schätzen durch diese Zeit weitestgehend unbeschadet hervorgegangen zu sein. Anfang letzten Jahres kam noch eine weitere Herausforderung dazu, nämlich eine in der jüngeren Geschichte noch nie dagewesene weltweite Verknappung von Rohstoffen, die drastische Preiserhöhungen für viele Rohstoffe nach sich gezogen hat.

 

Nicolaus M. Müller: Diese Situation hat sich bis heute leider nicht wirklich verbessert, dennoch sind wir froh, dass wir trotz allem stets lieferfähig geblieben sind. Ein weiteres Thema macht uns das Leben auch nicht leichter: Der Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine am 24. Februar 2022 hat zu einer politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verunsicherung geführt, und die Folgen des Konflikts sind noch nicht absehbar. Dazu kommt noch die seit Monaten anziehende Inflation sowie die damit verbundene Gefahr einer Rezession. Dies wird dieses Jahr sehr stark beeinflussen.

 

Dr. Ekkehard zur Mühlen: Trotz allem geht die Transformation der MC weiter. Wir stehen finanziell auf gesunden Beinen und uns ist es – mit immer besseren administrativen Werkzeugen ausgerüstet – in kürzester Zeit gelungen, ein schlagkräftiges Preiscontrolling einzuführen und als Steuer- und Kontrollinstrument zu etablieren. Neben motivierten Mitarbeitern, guten und soliden Produkten und einer weit verbreiteten Hands-On Mentalität sind das genau die Werkzeuge, die es braucht, nicht nur durch stürmische Zeiten zu segeln, sondern auch gestärkt daraus herauszukommen!

Wagen wir einen Blick in die Zukunft: Welche Themenfelder sind für die MC und in den kommenden Jahren relevant sein?

Dr. Claus-M. Müller: Ich habe mich zu Beginn dieses Jahres aus der Geschäftsführung zurückgezogen und fokussiere mich seither auf die Arbeit in unserem Beirat. In dieser neuen Rolle stehe ich der Geschäftsführung beratend zur Seite, daher gebe ich diese Frage gerne an meinen Sohn und Herrn Dr. zur Mühlen weiter.

 

Nicolaus M. Müller: Wir werden unsere Wachstumsstrategie konsequent weiterverfolgen und kontinuierlich international expandieren mit dem Ziel, auch außerhalb Europas starke, regionale Organisationen aufzubauen. Darüber hinaus werden wir fokussiert an der Entwicklung von nachhaltigen Lösungen für das Bauen weiterarbeiten und sie sukzessive in den Markt einführen. Die weitere Digitalisierung, sowohl intern als auch extern, wird auch ein wichtiges Thema bleiben: Wir werden frühzeitig die internen Voraussetzungen für digitale Lösungen zu unseren Produkten schaffen, um auch zukünftig unseren Partnern eine ideale Unterstützung und Begleitung bieten zu können. Intern werden wir die Effizienz unsere Unternehmensprozesse in allen Bereichen weiter verbessern, sowohl mit digitalen als auch analogen Lösungen.

 

Dr. Ekkehard zur Mühlen: Das bedeutet auch, dass wir weitere lokale Organisationen aufbauen und neue Gesellschaften entweder durch Übernahmen oder auch Greenfield-Gründungen in unsere Unternehmensgruppe holen und uns dadurch mehr und mehr von einer international aufgestellten zu einer globalen Organisation hin entwickeln werden. Dazu werden wir in den kommenden Jahren schlagkräftige Zentralfunktionen schaffen, die die Regionen managementseitig unterstützen und stärken werden, um unsere starke Wachstumsdynamik beibehalten zu können. Wir werden zudem die administrativen Funktionen ausbauen und neue ERP-Landschaften als Kern unserer Digitalisierungsstrategie umsetzen.   

Zum Abschluss noch eine Frage mit der Bitte um eine kurze Antwort. Wenn Sie einen Wunsch für die MC frei hätten, was würden Sie sich wünschen?

Nicolaus M. Müller: Ich wünsche mir, dass die MC der attraktivste Arbeitgeber der Welt ist und so stets die besten Mitarbeiter der Welt erhält. Der Erfolg alles andere ergeben sich dann von selbst.

 

Dr. Ekkehard zur Mühlen: Ich wünsche mir, dass wir weiter den Mut haben, auf unsere Regionalleitungen und lokale Geschäftsführungen zu hören, um diese vor allem im Ausbau ihrer Organisationen in Zukunft weiter nachhaltig zu unterstützen, und nicht mit wachsender Größe in Konzernstrukturen erstarren.

 

Dr. Claus-M. Müller: Ich wünsche der MC von ganzem Herzen, dass sie sich auch in Zukunft als unabhängiges Familienunternehmen so erfolgreich weiterentwickelt wie in der Vergangenheit auch.

Vielen Dank für diese abschließenden Worte. Ich wünsche Ihnen, dass Ihre Wünsche in Erfüllung gehen.

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