Abdichtungsnorm DIN 18533

DIN 18533: Abdichtung erdberührter Bauteile einfach erklärt

Welche Abdichtung ist für welchen Anwendungsfall geeignet? Erfahren Sie, wie die DIN 18533 Wasserbeanspruchungen klassifiziert und welche Abdichtungssysteme für Keller, Bodenplatten und Sockelbereiche eingesetzt werden können.

DIN 18533 - die Abdichtungsnorm für erdberührte Bauteile

Aug 05, 2026

Die DIN 18533 ist seit Juni 2026 in aktualisierter Fassung gültig. Sie regelt weiterhin die Abdichtung erdberührter Bauteile mit flüssigen und bahnenförmigen Abdichtungsstoffen und bleibt somit die Norm für die Bauwerksabdichtung (im Neubau1)).

Welche Abdichtung eignet sich für welchen Anwendungsfall? Die DIN 18533 klassifiziert die Wasserbeanspruchung an erdberührten Bauteilen und legt fest, welche Abdichtungssysteme zulässig sind. Seit der Neufassung 2026 gilt dabei eine überarbeitete Systematik mit neuen Begriffen und einer vollständig eigenständigen Stoffklasse: der flexiblen polymermodifizierten Dickbeschichtung (FPD).

In diesem Beitrag erfahren Sie:

  • welche Wasserbeanspruchungsklassen (W1-E bis W4-E) die DIN 18533 unterscheidet,
  • wie Rissklassen und Raumnutzungsklassen die Abdichtungsbauart bestimmen,
  • welche Abdichtungsstoffe zulässig sind,
  • und welche Lösungen sich für Keller, Bodenplatten und Sockelbereiche eignen.

Was regelt die DIN 18533?

Die DIN 18533 „Abdichtung von erdberührten Bauteilen“ bildet die Grundlage für Planung und Ausführung von Abdichtungen an Wand- und Bodenflächen, Wandquerschnitten, erdüberschütteten Decken sowie Sockelbereichen von Bauwerken gegen drückendes und nicht drückendes Wasser.
Die Norm gliedert sich in drei Teile:

  • Teil 1 – Anforderungen, Planungs- und Ausführungsgrundsätze
  • Teil 2 – Abdichtung mit bahnenförmigen Abdichtungsstoffen
  • Teil 3 – Abdichtung mit flüssig zu verarbeitenden Abdichtungsstoffen

Typische Anwendungsbereiche sind:

Kellerwände – Erdberührte Kelleraußenwände müssen dauerhaft gegen Feuchtigkeit und Wasser geschützt werden. Die erforderliche Abdichtung richtet sich nach der Wasserbeanspruchungsklasse und den örtlichen Baugrundverhältnissen.

Bodenplatten – Erdberührte Bodenplatten benötigen eine normgerechte Abdichtung, um das Eindringen von Bodenfeuchte oder Wasser zu verhindern. Die DIN 18533 definiert hierfür geeignete Abdichtungsbauarten und Materialien.

Sockelbereiche – Der Übergang zwischen erdberührtem Bauteil und aufgehender Fassade zählt zu den besonders beanspruchten Bereichen. Hier treffen Feuchtigkeit aus dem Erdreich, Spritzwasser und Witterungseinflüsse aufeinander.

Erdüberschüttete Bauwerke – Tiefgaragen, Technikräume und andere erdüberdeckte Konstruktionen fallen (teilweise) in den Geltungsbereich der Norm.
Die Auswahl der Abdichtung erfolgt nicht allein anhand des Bauteils, sondern zusätzlich auf Basis der Wasserbeanspruchungsklasse, der Rissklasse und der Raumnutzungsklasse.

Wie wird die Wasserbeanspruchung ermittelt?

Der bisherige Begriff „Wassereinwirkungsklasse“ heißt seit 2026 Wasserbeanspruchungsklasse – die Klassen selbst (W1-E bis W4-E mit Unterklassen) bleiben inhaltlich weitgehend erhalten, die Herleitung ist jedoch neu geregelt: Sie erfolgt nicht mehr über eine vereinfachte Zuordnung nach Durchlässigkeitsbeiwert des Baugrundes, sondern über zwei ausführliche Zuordnungstabellen unter direktem Bezug auf die ebenfalls neue Fassung der DIN 4095-1:2026-06.

Zentrale Planungsgröße ist der Bemessungswasserstand (BWS). Er ergibt sich aus dem Bemessungsgrundwasserstand (BGW) nach DIN 4095-1 oder dem Bemessungshochwasserstand (HHW) – maßgebend ist jeweils der höhere Wert. Liegen keine objektbezogenen Feststellungen vor, ist der BWS auf Geländeoberkante bzw. auf Höhe des höchsten anzunehmenden Hochwasserstands anzusetzen.
Die Zuordnung berücksichtigt zusätzlich den Durchlässigkeitsbeiwert k des Baugrunds, die Einbautiefe sowie den möglichen seitlichen Wasserzufluss und unterscheidet, ob eine funktionsfähige Dränung nach DIN 4095 vorhanden ist. Ohne Dränung in wenig durchlässigem Boden ist grundsätzlich mit drückendem Wasser zu rechnen.

Die Wasserbeanspruchungsklassen im Überblick

WasserbeanspruchungsklasseArt der Beanspruchung
W1-EBodenfeuchte und nicht drückendes Wasser
W1.1-EBodenfeuchte und nichtdrückendes Wasser bei Bodenplatten und erdberührten Wänden
W1.2-EBodenfeuchte und nichtdrückendes Wasser bei Bodenplatten und erdberührten Wänden mit Dränung
W2-EDrückendes Wasser
W2.1-EMäßige Einwirkung von drückendem Wasser ≤ 3 m Eintauchtiefe
W2.2-EHohe Einwirkung von drückendem Wasser > 3 m Eintauchtiefe
W3-ENichtdrückendes Wasser auf erdüberschütteten Decken
W4-ESpritzwasser und Bodenfeuchte am Wandsockel sowie Kapillarwasser in und unter Wänden
Tabelle gemäß DIN 18533-1 mit Übersicht der Wasserbeanspruchungsklassen

Die Wasserbeanspruchungsklassen im Detail

W1.1-E liegt vor, wenn die unterste Abdichtungsebene mindestens 50 cm oberhalb des Bemessungswasserstandes liegt – etwa bei nicht unterkellerten Bodenplatten auf gut durchlässigem Baugrund.

W1.2-E gilt, wenn eine dauerhaft funktionsfähige Dränung nach DIN 4095 ein Anstauen von Wasser verhindert; auch hier muss die Abdichtungsebene mindestens 50 cm über dem Bemessungswasserstand liegen.

W2.1-E und W2.2-E erfassen drückendes Wasser durch Stau-, Grund- oder Hochwasser. Unterschieden wird nach der Eintauchtiefe: bis 3 m gilt W2.1-E, darüber W2.2-E.

W3-E betrifft nicht befahrene erdüberschüttete Deckenflächen, auf denen Niederschlagswasser absickert. Der tiefste Punkt der Deckenfläche muss mindestens 30 cm über dem Bemessungshoch- bzw. -grundwasserstand liegen, die zulässige Anstauhöhe beträgt maximal 10 cm.

W4-E erfasst Spritz- und Sickerwasser im Sockelbereich sowie kapillar aufsteigende Feuchtigkeit in und unter Wänden. Die Sockelabdichtung reicht üblicherweise von rund 20 cm unter bis 30 cm über Geländeoberkante.

Rissklassen: jetzt in einem einzigen System

Eine der wichtigsten strukturellen Neuerungen 2026: Die früher getrennt geführten Rissklassen und Rissüberbrückungsklassen (RÜ1-E bis RÜ4-E) wurden zusammengeführt. Es existiert nur noch eine vierstufige Rissklasse (R1-E bis R4-E), die sowohl den Untergrund als auch die geforderte Überbrückungsfähigkeit der Abdichtung beschreibt:

RissklasseRissbildung / -breitenänderungTypischer Untergrund
R1-E (gering)≤ 0,2 mmStahlbeton ohne rissverursachende Zwang- oder Biegeeinwirkung; Mauerwerk im Sockelbereich
R2-E (mäßig)≤ 0,5 mmUnbewehrter Beton; Stahlbeton mit Zwang-, Zug- oder Biegeeinwirkung; erddruckbelastetes Mauerwerk
R3-E (hoch)≤ 1,0 mm, Rissversatz ≤ 0,5 mmFugen von Abdichtungsrücklagen; Aufstandsfugen erddruckbelasteter Wände
R4-E (sehr hoch)≤ 5,0 mm, Rissversatz ≤ 2,0 mmz. B. bei Erschütterungen oder Erdbeben
Tabelle gemäß DIN 18533-1 mit Übersicht der Rissklassen

Die erforderliche Mindest-Rissklasse hängt dabei direkt von der Wasserbeanspruchungsklasse ab: Für W1-E und W4-E ist mindestens R1-E gefordert, für W2.1-E und W3-E mindestens R3-E, für W2.2-E mindestens R4-E.

Raumnutzungsklassen

Die Raumnutzungsklassen (RN1-E bis RN3-E) beschreiben die Anforderungen an die Trockenheit der Raumluft erdseitig abgedichteter Räume und damit an die Zuverlässigkeit der Abdichtungsbauart und Nutzbarkeit der Räume.

RN1-E (geringe Anforderung): z. B. Werk-, Produktions- oder Lagerhalle, Tiefgarage, Lagerung feuchteunempfindlicher Güter

RN2-E (übliche Anforderung): z. B. Aufenthaltsräume, Keller- und Lagernutzung in Wohn- und Bürogebäuden

RN3-E (hohe Anforderung): z. B. Lagerung unersetzlicher Kulturgüter, Räume für Zentralrechner

Welche Abdichtungsstoffe sind zulässig?

Bahnenförmige Abdichtungsstoffe (Teil 2)

Bitumen- und Polymerbitumenbahnen (PBB) sowie kalottengeriffelte Metallbänder werden je nach Wasserbeanspruchungsklasse einlagig (bis R3-E, im Wandbereich bis R4-E) oder mehrlagig (bis R4-E) verlegt. Sie decken die Anwendungsbereiche Wand, Sockel, Bodenplatte und erdüberschüttete Decke ab.

Kunststoff- und Elastomerbahnen (KDB) werden einlagig verlegt und sind grundsätzlich bis Rissklasse R4-E einsetzbar – ein Anwendungsbereich, der 2026 gegenüber der Vorgängerfassung erweitert wurde. Sie eignen sich für erdberührte Wände, Sockel, Bodenplatten und erdüberschüttete Decken über alle Raumnutzungsklassen.

Flüssig zu verarbeitende Abdichtungsstoffe (Teil 3)

Polymermodifizierte Bitumendickbeschichtung (PMBC) ist der etablierte Standard: mindestens zweilagig aufgetragen, überbrückt sie Risse bis R3-E und deckt die Klassen W1-E, W2.1-E, W3-E und W4-E ab.

Flexible polymermodifizierte Dickbeschichtung (FPD) ist seit 2026 erstmals als vollständig eigenständige Stoffklasse mit eigenem Normkapitel geregelt (zuvor nicht normiert). FPD wird im Spachtel-, Streich- oder Spritzverfahren mindestens zweilagig aufgetragen und deckt ebenfalls die Wasserbeanspruchungsklassen W1-E, W2.1-E, W3-E und W4-E ab.

Mineralische Dichtungsschlämme (MDS) kommt insbesondere bei Querschnittsabdichtungen sowie als nicht rissüberbrückende Lösung im Zusammenspiel mit anderen Stoffen zum Einsatz.

Flüssigkunststoffe (FLK), Asphaltmastix und Gussasphalt ergänzen das Stoffspektrum für spezielle Anwendungsbereiche wie Bodenplatten und erdüberschüttete Deckenflächen.

Bodenfeuchte und nichtdrückendes Wasserdrückendes Wassernichtdrückendes Wasser auf erdüberschütteten DeckenSpritzwasser am Wandsockel sowie Kapillarwasser in und unter erdberührten Wänden
WasserbeanspruchungsklasseW1-EW2.1-EW3-EW4-E
PMBCXXXX
RissklasseR3-ER3-ER3-ER3-E
Mindesttrockenschichtdicke3 mm4 mm4 mm3 mm
Verstärkungseinlagejaja
Schutzlage nach DIN 18533-1jajajaja
FPDXX (nur 2-komp.)X (nur 2-komp.)X
RissklasseR3-ER3-ER3-ER3-E
Mindesttrockenschichtdicke3 mm4 mm3 mm2 mm
Verstärkungseinlagejaja
Schutzlage nach DIN 18533-1jajajaja (nur unter GOK)
MDSX (nur Beton-untergrund)X (auf massiven Untergründen)
RissklasseR1-ER1-E
Mindesttrockenschichtdicke2 mm2 mm
Verstärkungseinlageneinnein
Schutzlage nach DIN 18533-1jaja (nur unter GOK)
Tabelle gemäß DIN 18533-3 für die Abdichtungsstoffe PMBC, FPD und MDS

Rissklassen im Überblick

RissklasseRissbildung/Rissbreitenänderungtypischer Abdichtungsuntergrund *1
R1-E≤ 0,2 mmStahlbeton ohne rissverursachende Zwang- und Biegeeinwirkung; Mauerwerk im Sockelbereich; Untergründe für Querschnittsabdichtungen
R2-E≤ 0,5 mmgeschlossene Fugen von flächigen Bauteilen (z. B. bei Fertigteilen); unbewehrter Beton; Stahlbeton mit rissverursachender Zwang-, Zug- oder Biegeeinwirkung; erddruckbelastetes Mauerwerk; Fugen an Materialübergangen
R3-E≤ 1,0 mm – Rissversatz ≤ 0,5 mmFugen von Abdichtungsrücklagen; Aufstandsfugen von erddruckbelasteten Wänden
R4-E≤ 5,0 mm – Rissversatz ≤ 2,0 mm
*1 Ohne statischen Nachweis der Rissbreite. Eine andere Zuordnung ist durch einen solchen Nachweis möglich.
Tabelle gemäß DIN 18533-1 Abdichtung von erdberührten Bauteilen – Teil 1: Anforderungen, Planungs- und Ausführungsgrundsätze

Anmerkungen

1) „Die nachträgliche Abdichtung in der Bauwerkserhaltung oder der Baudenkmalpflege“ wird in der DIN 18533 im Abschnitt „Anwendungsbereiche“ ausgeschlossen. Die Sanierung/nachträgliche Abdichtung ist unter anderem geregelt in:
- WTA-Merkblätter (WTA 4-6, WTA 4-4, WTA 4-10 und WTA 8-x-Reihe)
- Merkblätter/Richtlinien der Fachverbände (z. B. vom Deutschen Ausschuss für Stahlbeton (DAfStb)
- DIN 18195 (alte Fassung, war gültig bis 2017, wurde zurückgezogen), wird in der Praxis bei Bestandssanierungen teils noch als anerkannte Fachregel herangezogen

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