Die DIN 18533 regelt seit 2017 die Abdichtung erdberührter Bauteile mit flüssigen und bahnenförmigen Abdichtungsstoffen. Sie löste die in Ihrer letzten Revision rund zehn Jahre alte DIN 18195 ab und besteht aus drei Teilen:
Teil 1: Anforderungen, Planungs- und Ausführungsgrundsätze
Teil 2: Abdichtung mit bahnenförmigen Abdichtungsstoffen
Teil 3: Abdichtung aus flüssig zu verarbeitenden Abdichtungsstoffen
In diesem Beitrag erfahren Sie:
Die DIN 18533 bildet die Grundlage für die Planung und Ausführung von Abdichtungen an erdberührten Bauteilen. Ihr Anwendungsbereich umfasst die Abdichtung von Wand- und Bodenflächen, Wandquerschnitten sowie Sockelbereichen von Hochbauwerken gegen Bodenfeuchte, Sickerwasser, drückendes Wasser und Spritzwasser. Darüber hinaus gilt die Norm auch für erdüberschüttete unterirdische Bauwerke in offener Bauweise.
Zu den typischen Anwendungsbereichen der DIN 18533 gehören:
Erdberührte Kelleraußenwände müssen dauerhaft gegen Feuchtigkeit und Wasser geschützt werden. Die erforderliche Abdichtung richtet sich dabei unter anderem nach der zu erwartenden Wassereinwirkungsklasse und den örtlichen Baugrundverhältnissen.
Auch erdberührte Bodenplatten benötigen eine normgerechte Abdichtung, um das Eindringen von Bodenfeuchte oder Wasser in das Gebäude zu verhindern. Die DIN 18533 definiert hierfür geeignete Abdichtungsbauarten und Materialien.
Der Übergang zwischen erdberührten Bauteilen und der aufgehenden Fassade zählt zu den besonders beanspruchten Bereichen eines Bauwerks. Hier treffen Feuchtigkeit aus dem Erdreich, Spritzwasser und Witterungseinflüsse aufeinander. Die DIN 18533 enthält deshalb spezielle Anforderungen an die Sockelabdichtung.
Auch unterirdische oder teilweise erdüberdeckte Bauwerke wie Tiefgaragen, Technikräume oder andere erdüberschüttete Konstruktionen fallen in den Geltungsbereich der Norm. Für diese Bauteile gelten ebenfalls die Anforderungen der DIN 18533 hinsichtlich Wassereinwirkung und Abdichtungssystem.
Die Auswahl der geeigneten Abdichtung erfolgt dabei nicht allein anhand des Bauteils, sondern zusätzlich auf Basis der Wassereinwirkungsklasse, der Rissklasse, der Raumnutzungsklasse und weiterer Planungsparameter. Damit schafft die DIN 18533 eine einheitliche Grundlage für dauerhaft sichere Bauwerksabdichtungen.
Die Wahl des geeigneten Abdichtungssystems richtet sich nach den Bodenverhältnissen und der zu erwartenden Wasserbeanspruchung. Ein wichtiger Kennwert ist dabei der Durchlässigkeitsbeiwert k, der Auskunft darüber gibt, wie schnell Wasser durch den Boden versickern kann. Anhand dieser Boden- und Wasserverhältnisse werden die Wassereinwirkungsklassen nach DIN 18533 bestimmt, die wiederum die Anforderungen an die Bauwerksabdichtung festlegen.
Ist der Durchlässigkeitsbeiwert k ≥ 10-4 m/s, so ist der Boden gut durchlässig. Eine Drainage ist dann nicht notwendig (Wassereinwirkungsklasse W1.1-E Bodenfeuchte und nicht drückendes Wasser bei Bodenplatten und erdberührten Wänden). Wenn der Boden wie bei einem Durchlässigkeitsbeiwert k ≥ 10-4 m/s weniger gut durchlässig ist, wird der Einsatz einer Drainage empfohlen (Wassereinwirkungsklasse W1.2-E Bodenfeuchte und nichtdrückendes Wasser bei Bodenplatten und erdberührten Wänden mit Dränung). Wird in einem weniger gut durchlässigen Boden keine Drainage verbaut, ist eine verstärkte Abdichtung erforderlich (Wassereinwirkungsklasse W2-E Drückendes Wasser).
| Wassereinwirkungsklasse | Mindesttrockenschichtstärke gemäß RiLi FPD | Mindesttrockenschichtstärke gemäß ETA |
| W1.1-E Bodenfeuchte und nicht drückendes Wasser bei Bodenplatten und erdberührten Wänden | 3,0 mm | 2,0 mm |
| W1.2-E Bodenfeuchte und nicht drückendes Wasser bei Bodenplatten und erdberührten Wänden mit Dränung | 3,0 mm | 2,0 mm |
| W2.1-E Mäßige Einwirkung von drückendem Wasser | 4,0 mm mit Verstärkungseinlage | 2,5 mm ohne Verstärkungseinlage |
| W2.2-E Hohe Einwirkung von drückendem Wasser | Nicht normkonform | 4 mm ohne Verstärkungseinlage |
| W3-E Nicht drückendes Wasser auf erdüberschütteten Decken | 3,0 mm mit Verstärkungseinlage | 2,5 mm ohne Verstärkungseinlage |
| W4-E Spritzwasser am Wandsockel sowie Kapillarwasser in und unter erdberührten Wänden | 2,0 mm | 2,0 mm |
Wassereinwirkungsklasse W1.1-E (Bodenfeuchte und nicht drückendes Wasser bei Bodenplatten und erdberührten Wänden)
Bei Bodenplatten ohne Unterkellerung oder erdberührten Wänden und Bodenplatten, bei denen die Abdichtung auf einen stark wasserdurchlässigen Baugrund trifft, ist mit Bodenfeuchte zu rechnen. In diesem Fall liegt die Wassereinwirkungsklasse W1.1-E vor. Die unterste Abdichtungsebene ist dann so zu planen, dass diese mindestens 50 cm oberhalb des Bemessungswasserstandes liegt.
Wassereinwirkungsklasse W1.2-E (Bodenfeuchte und nicht drückendes Wasser bei Bodenplatten und erdberührten Wänden mit Dränung)
Durch eine sachgerechte Dränung nach DIN 4095 wird bei wenig wasserdurchlässigem Baugrund ein Anstauen von Wasser vermieden. Erdberührte Bauteile, die diesem Lastfall unterliegen, können der Wassereinwirkungsklasse W1.2-E zugeordnet werden. Die unterste Abdichtungsebene ist in diesem Fall so zu planen, dass diese mindestens 50 cm oberhalb des Bemessungswasserstandes liegt.
Wassereinwirkungsklasse W2.1-E (Mäßige Einwirkung von drückendem Wasser)
Wirken Stauwasser, Grundwasser oder Hochwasser bis 3 m Wassersäule (hydrostatischer Druck) auf die Abdichtung von erdberührten Bauteilen ein, liegt die Wassereinwirkungsklasse W2.1-E vor. Hier ist mit einer mäßigen Einwirkung von drückendem Wasser zu planen.
Wassereinwirkungsklasse W3-E (Nicht drückendes Wasser auf erdüberschütteten Decken)
Wenn auf einer nicht befahrenen erdüberschütteten Deckenkonstruktion Wasser z. B. durch Niederschlag einwirkt und bis zur Abdichtung absickert, ist mit einer Wassereinwirkungsklasse W3-E zu rechnen. Die Abdichtung einer erdüberschütteten Decke ist dann so auszulegen, dass der tiefste Punkt der Deckenfläche mindestens 30 cm über HHW/HGW, dem Bemessungshochwasserstand bzw. dem Bemessungsgrundwasserstand, liegt. Die Anstauhöhe auf der Deckenfläche darf 10 cm nicht überschreiten. Kann dies nicht gewährleistet werden, ist eine Abdichtung nach der Wassereinwirkungsklasse W2-E zu wählen.
Wassereinwirkungsklasse W4-E (Spritzwasser am Wandsockel sowie Kapillarwasser in und unter erdberührten Wänden)
Einwirkungen von Spritz- oder Sickerwasser und kapillar aufsteigender Feuchtigkeit machen eine Wandsockel- und Querschnittsabdichtung unabdingbar. Die Sockelabdichtung ist so zu planen, dass die Abdichtung etwa 20 cm unter Geländeoberkante und 30 cm über Geländeoberkante erfolgt. Eine Querschnittsabdichtung aus einer kunststoffmodifizierten Bitumendeckbeschichtungen (PMBC = Polymer Modified Bitumenous Coating) ist nicht mehr zulässig. Dieses Detail ist mit einer flexiblen mineralischen Dichtungsschlämme auszubilden.
Die Raumnutzungsklassen unterscheiden sich nach den klimatischen Anforderungen an die Trockenheit der Raumluft. Diese reichen von RN1-E (geringe Anforderungen) bis zu RN3-E (hohe Anforderung). Zum besseren Verständnis finden Sie in der Tabelle oben eine Übersicht der Raumnutzungklassen.
| Raumnutzungsklasse | Anforderungen an Trockenheit der Raumluft von erdseitig abgedichteten Räumen und die Zuverlässigkeit deren Abdichtung * | |
| RN1-E | geringe Anforderung: z. B. Tiefgarage, offene Werk- und Lagerhalle | |
| RN2-E | durchschnittliche Anforderung: z. B. Aufenthaltsräume, Räume zur Lagerung von feuchtigkeitsempfindlichen Gütern wie Keller- und Lagernutzung in üblichen Wohn- und Bürogebäuden | |
| RN3-E | hohe Anforderung: z. B. Räume zur Lagerung unersetzlicher Kulturgüter, Raum für Zentralrechner | |
| * Um die Anforderungen an die für die Nutzung notwendigen raumklimatischen Bedingungen zu erzielen, sind zusätzlich der Wärmeschutz, die Beheizung und die Belüftung/Entfeuchtung zu planen, auszuführen und durch den Nutzer zu praktizieren. |
Risse sind in Bauteilen nicht völlig vermeidbar und müssen bei der Wahl der Abdichtungsart berücksichtigt werden. Relevant für die Einwirkung auf die Abdichtung sind nur die Rissbreitenänderungen vorhandener Risse und Rissneubildungen nach der Applikation der Abdichtungsschicht.
| Rissklasse | Rissbildung/Rissbreitenänderung | typischer Abdichtungsuntergrund *1 |
| R1-E | ≤ 0,2 mm | Stahlbeton ohne rissverursachende Zwang- und Biegeeinwirkung; Mauerwerk im Sockelbereich; Untergründe für Querschnittsabdichtungen |
| R2-E | ≤ 0,5 mm | geschlossene Fugen von flächigen Bauteilen (z. B. bei Fertigteilen); unbewehrter Beton; Stahlbeton mit rissverursachender Zwang-, Zug- oder Biegeeinwirkung; erddruckbelastetes Mauerwerk; Fugen an Materialübergangen |
| R3-E | ≤ 1,0 mm – Rissversatz ≤ 0,5 mm | Fugen von Abdichtungsrücklagen; Aufstandsfugen von erddruckbelasteten Wänden |
| R4-E | ≤ 5,0 mm – Rissversatz ≤ 2,0 mm | – |
| *1 Ohne statischen Nachweis der Rissbreite. Eine andere Zuordnung ist durch einen solchen Nachweis möglich. |
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