Die 1960er Jahre: Der erste große Durchbruch der MC
10.08.2022
Nach der Gründung im Dezember 1961 wartet die junge MC-Bauchemie mit einer ersten Innovation auf: dem frisch entwickelten NAFU-System. Die innovative naht- und fugenlose Dachbeschichtung wird in den 1960er- und 1970er Jahren eine zuverlässige Lösung für die Abdichtung von Dächern und ein bedeutender Umsatzträger des jungen Unternehmens.
Von der Vertriebsgesellschaft Prodorit-Vertrieb Müller & Co. KG, die MC-Firmengründer Heinrich W. Müller für die Mannheimer Th. Goldschmidt AG leitet, wird das gerade erst entwickelte NAFU-System übernommen. NAFU ist der Markenname für ein naht- und fugenloses Dachschutzsystem. Es wird in mehreren Schichten mit kalt- und/oder heißverarbeitbaren NAFUPLAST Beschichtungsmassen (vornehmlich auf Basis von Bitumen und kunststoffmodifiziertem Bitumen) unter Einbettung von Armierungsgeweben erstellt. Die neue Dachbeschichtung von MC eröffnet gegenüber den bis dahin verwendeten Dachbahnen völlig neue Perspektiven in der Industrie und im Wohnungsbau, vornehmlich für Flachdächer, aber auch für Kuppeldächer.
Der Trend zum Flachdach
Das Flachdach hat sich zuvor in Deutschland in den 1950er Jahren endgültig durchgesetzt. Bei der Weltausstellung 1958 in Brüssel präsentiert Deutschland einen Flachdachpavillon der Architekten Eiermann/Ruf, der sich durch seine besondere Leichtigkeit auszeichnet. In den nachfolgenden 1960er Jahren erfreuen sich Flachdächer bereits großer Beliebtheit – im industriellen und im privaten Bereich. Doch diese Dachkonstruktion birgt auch Risiken für den Baukörper darunter, da beispielsweise Regenwasser im Gegensatz zu Schrägdächern nicht zwangsläufig komplett abgeleitet wird. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an die Abdichtung des Daches, regelmäßige Kontrollen sind zwingend notwendig. Das gilt vor allem für ältere Dächer – denn ist die Dämmung einmal durchfeuchtet, bleibt nur der Rückbau.
MC fasst in der Kraftwerkssparte Fuß
Genau hier setzt MC an: Das NAFU-System hat den großen Vorteil gegenüber den vorgefertigten Bahnen, dass es weder Nähte noch Überlappungen aufweist und somit weder Wind und Wetter noch anderweitiger Feuchtigkeit Angriffspunkte bietet. Das ist nicht nur im Bereich des Flachdachs interessant, sondern auch für Kuppeldächer. Zum ersten im wahrsten Sinne herausragenden Referenzobjekt für die MC-Innovation wird die Reaktorkuppel des ersten deutschen Kernkraftwerks Obrigheim im Neckar-Odenwald-Kreis. Von diesem erfolgreichen Projekt ging ein gewaltiger Schub für die weitere Vermarktung der NAFU-Dächer im gesamten deutschen Kraftwerksbereich aus.
NAFU und die Folgen
Bis in die 1980er Jahre hinein werden zahllose Dachflächen, insbesondere bei komplizierten Dachkonstruktionen, erfolgreich mit NAFU geschützt. Danach ebbt nicht nur die Freude der deutschen Bauherren am Flachdach deutlich ab, vielmehr bringt auch die Forschung und Entwicklung bei MC zahlreiche höher- und weiterentwickelte Produkte auf den Markt.
Bis heute geblieben sind zum einen weiterentwickelte Bauwerksabdichtungssysteme für konstruktiv anspruchsvolle Flächen, die unter dem Namen MC-Proof bekannt sind, zum anderen Spezialsysteme für die Abdichtung von Feuchträumen, Balkonen und Terrassen, auf die sich auch die MC-Schwesterfirma Botament spezialisiert hat. Und plötzlich liegen auch Flachdächer wieder im Trend. Das liegt nicht nur an der möglichen Raumnutzung der freien Fläche, sondern auch an einem nachhaltigen Faktor: Flachdächer lassen sich ökologisch wertvoll begrünen. Vorausgesetzt, sie halten dicht.
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